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Vertical Farming

vom 31. März 2021 Übersicht

Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen?

Der Niedersachsenpark steigt in die ehrgeizige Planung einer gigantischen Vertical Farming Anlage für Zitrusfrüchte ein. Dazu soll der Varus Park um gleich zwei Stockwerke erweitert werden. Auf fast 22.000 qm Grundfläche kann so in zwei Stufen die weltweit größte Anlage des InFarmings entstehen.

Hält man sich an das berühmte Gedicht Mignon von Goethe, dann kommen die Zitronen natürlich aus Italien, doch das soll sich nun ändern. Mit Vertical Farming, eines der Trendthemen wenn es um die Frage einer zukunftsfähigen und klimafreundlichen Nahrungserzeugung geht, will der Niedersachsenpark die Zukunft der Landwirtschaft in die Region holen. „Lebensmittel können wir; egal in welcher Form“, bringt es Geschäftsführer Uwe Schumacher kurz und knapp auf den Punkt. „Unsere Region ist seit jeher einer der wichtigsten Produktionsstandorte für Lebensmittel in ganz Deutschland. Wenn sich die Methoden der Nahrungsmittelproduktion grundlegend verändern oder „überdacht“ werden, dann müssen wir mit dabei sein und bestenfalls auch den Ton angeben“, betont Schumacher vorausschauend. Varus Park Projektentwickler Christoph Peper von Peper & Söhne zeigt sich hocherfreut zu diesem Vorhaben und sichert jegliche Unterstützung zu. „Unsere moderne, multifunktionale Halle bietet beste Voraussetzungen für entsprechende Kühllagerflächen sowie eine direkte Einbeziehung der logistischen Abwicklung. Das wird in jedem Fall eine Win-Win-Situation.“

Die Welt im InFarming-Rausch

Urban, Underground, Vertical – die InFarming-Konzepte sind vielfältig und werden von Unternehmen wie AeroFarm (USA), UrbanFarmers AG (Niederlande) oder Spread Co. (Japan) bereits weltweit umgesetzt. Jüngste Beispiele sind sicherlich das Nordic Harvest Projekt in Dänemark aber auch das InFarming Gewächshaus auf dem Dach des Oberhausener Jobcenters, wo seit gut zwei Jahren erfolgreich Obst, Gemüse und Kräuter in drei verschiedenen Klimazonen angebaut und geerntet werden. „Die Vorteile dieser Konzepte liegen auf der Hand“, erklärt Marketingleiter Matthias Meyer. „Maximaler Ertrag auf engstem Raum. Nutzung bestehender Gebäude. Es müssen keine landwirtschaftliche Nutzflächen herhalten und es wird noch nicht einmal Erde benötigt, da die Pflanzen allein aus Wasserbehältern gedeihen. Der Wasserbedarf ist dadurch sogar geringer als im konventionellen Anbau und zudem wird der Einsatz jeglicher Art von Dünger und Pestiziden obsolet“, hält Meyer überzeugend fest. Die Entscheidung für Zitrusfrüchte kommt nicht von ungefähr. „Im Oldenburger Münsterland sind große Obst- und Gemüseunternehmen ansässig, denen wir keine Konkurrenz machen wollen“, erläutert Uwe Schumacher. „Zitrusfrüchte müssen zu Lasten der Umwelt aus großer Entfernung importiert werden. Gemäß unserer Nachhaltigkeits-Mission ist das Projekt aufgrund der massiven CO2-Einsparungen, aber auch durch die wegweisende Pionierarbeit, eine logische Konsequenz für den Niedersachsenpark“, ergänzt Meyer.

Bella Italia im Niedersachsenpark

Nicht nur die Zitrusfrüchte; auch der Investor kommt aus Italien. Verantwortlich zeichnet sich das neu gegründete, sizilianische Unternehmen Agrumi Internazionale. „Der Zitrusfrüchteanbau hat bei uns eine sehr lange Tradition. Nicht ohne Grund zählt unsere Region heute zu den größten Exporteuren Europas“, erläutert Geschäftsführer Marcello Conte. „Anbau und Pflege erfordern viel spezifisches Wissen und natürlich mediterrane Leidenschaft“, fügt Conte schmunzelnd hinzu. Wissenschaftlicher Leiter bei Agrumi Internazionale ist kein geringerer als Shlomo Ben Hanasi, einer der führenden Experten weltweit, der die moderne Zitrusfrüchteproduktion u.a. im levantinischen Raum maßgeblich mitgestaltet hat. „Eigentlich behaupten wir ja immer, dass die Sonne Siziliens maßgeblich für den einzigartigen Geschmack unserer Produkte verantwortlich ist. Shlomo hat allerdings eine künstliche Lichtsituation entwickelt, wodurch sich kein sensorischer Unterschied mehr zur konventionell gewachsenen Frucht erkennen bzw. erschmecken lässt … und das, obwohl er kein Sizilianer ist“, bemerkt Marcello Conte augenzwinkernd.

Hightech: exotisch, regional und grün

Die Vertical Farming Anlage wird ein wahres Hightech-Schwergewicht. Die unter Anleitung von Ben Hanasi entwickelte Hortikultur-LED-Technik kommt wie schon beim Nordic Harvest Projekt aus Taiwan. Aber auch regionale Player sind stark in die Umsetzung eingebunden. Die hochleistungsfähige und innovative Robotertechnik, die für die Überwachung und Pflege unerlässlich ist, wird vom in Vechta ansässigen Unternehmen Alpha Robotics beigesteuert. „Es freut mich riesig, dass wir die Chance bekommen, ein derart innovatives Projekt mit Spitzentechnik made in Vechta unterstützen zu können“, äußert sich Alpha Robotics Geschäftsführer Oliver Rasche begeistert. Auch für den oft kritisierten, enormen Energiebedarf des Vertical Farmings gibt es eine nachhaltige Lösung. Die Anlage erhält eine komplette Photovoltaik-Fassade und wird im Dachbereich ebenfalls mit entsprechenden Modulen ausgestattet. Darüber hinaus werden knapp 100 SkyWind Mikrowindkraftanlagen von Siemens verbaut, um eine zusätzliche, grüne Energiequelle nutzen zu können. Für die Einspeisung in das interne Stromnetz entsteht auf der ersten Ebene eine ca. 2.000 qm große Speicheranlage. „Genug Saft für saftige Früchte“, so die plausible Schlussfolgerung von Marketingleiter Matthias Meyer.

In Vollauslastung soll das Vertical Farming Projekt zukünftig jährlich ca. 3.000 Tonnen Zitronen, Orangen, Limetten und Pampelmusen produzieren, die dann für die Vermarktung im gesamten Nordeuropäischen Raum zur Verfügung stehen. Uwe Schumacher knüpft die Umsetzung des Projekts allerdings an eine wichtige Bedingung: „Die erste Limette, die diese Anlage verlässt, landet in meinem Mojito“, so die unmissverständliche Forderung des Geschäftsführers des Niedersachsenparks, was bei den Verantwortlichen von Agrumi Internazionale aber nicht wirklich sauer aufstößt.

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