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Drohnen sollen Niedersachsenpark beflügeln

vom 01. April 2014 Übersicht

Drohnen sollen Niedersachsenpark beflügeln - Im größten Gewerbe- und Industriegebiet Niedersachsens startet weltweit einzigartiges Lagerungskonzept

Im Niedersachsenpark in Neuenkirchen-Vörden im Norden Deutschlands entsteht noch in diesem Jahr die weltweit wohl modernste und außergewöhnlichste Logistikanlage. In der Hightech-Halle, deren Form an die eines Bienenstocks erinnert, sollen Waren praktisch vollautomatisch ein- und ausgelagert und zu empfängerspezifischen Sendungen zusammengestellt werden können. „Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, dieses Pilotprojekt, auf das die gesamte Logistikwelt blicken wird, in den Niedersachsenpark zu holen. Eine erfolgreiche Testphase vorausgesetzt, wird die neue Generation der Lagerhaltung für den Niedersachsenpark einen Paradigmenwechsel einleiten. Wir sind der neue Logistik-Trendsetter!" kommentierte Uwe Schumacher, Geschäftsführer der Niedersachsenpark GmbH.

Was im Versand von Expresssendungen und eiligen Paketen etwa von Amazon bereits erprobt wurde, aber wohl noch Entwicklungsbedarf hat, das könnte dem Niedersachsenpark weitere Neuansiedlungen und Güterströme bringen: Der Einsatz von Drohnen, ferngesteuerten Kleinflugzeugen, die Waren selbstständig von A nach B transportieren. Derzeit arbeiten verschiedene Logistikexperten daran, ein völlig neues Konzept für die Lagerung und Kommissionierung von Waren zu entwickeln, in dem die neue Drohnen-Technologie eine zentrale Rolle spielen soll.

Die Pilotanlage im Niedersachsenpark will die Gateway Real Estate AG, Frankfurt am Main, ein auf Logistikimmobilien spezialisierter Projektentwickler, mit dem Intralogistik- und Automatisierungsspezialisten Grenzebach Automation GmbH, Karlsruhe, errichten. Die Vermarktung der Flächen liegt exklusiv beim Münchener Logistikimmobilienberater Logivest GmbH. Die neue Anlage wird mit einer Höhe von rund 80 Metern die vermutlich höchste Lagerhalle der Welt werden und rund 150.000 Quadratmeter Lagerfläche bieten. „Wir gehen hier gemeinsam mit unseren Partnern ganz neue Wege. Die Vorteile, die sich durch das neue Layout und die veränderten Abläufe ergeben, sind überwältigend," beschrieb Fred-Markus Bohne, Chief Operating Officer bei Gateway, das Projekt.

Die Hochregale sind wabenförmig konstruiert und ineinander verschachtelt. Die Wabenregale, die nicht mehr von Menschen bedient werden können, lösen herkömmliche Hochregalanlagen ab und ermöglichen eine um 70 Prozent bessere Platzausnutzung. Für jedes Regalstockwerk wird ein Flugkorridor programmiert, in dem die Drohnen die Regale anfliegen. Am Boden ist das automatische Kommissioniersystem „G-Com" von Grenzebach im Einsatz, das aus einem mobilen Regalsystem, einem Fahrerlosen Transport System (FTS) und flexibel gestaltbaren, multifunktionalen Pack-Stationen besteht.

Die gesamten Abläufe werden vom Grenzebach-Flottenmanager, einer Hochleistungssoftware, die ursprünglich für die Bewegungen der bodengebundenen FTS entwickelt wurde, gesteuert. Während die größeren und schwereren Güter am Boden vom FTS zu den Pack-Stationen gebracht werden, kümmert sich eine Armada von Drohnen um die Waren bis zu fünf Kilogramm Gewicht und Abmessungen von max. 80 x 80 x 80 Zentimeter. Die Software für die intelligenten Lagerbienen, die in der Lage sind Hindernissen selbstständig auszuweichen, wurde am Grenzebach Flugsimulator entwickelt, an dem normalerweise Piloten unter nahezu realen Bedingungen trainieren. Jede Drohne muss mindestens 40 Flugstunden nachweisen, um vom Luftfahrtbundesamt zugelassen zu werden. „Der Einsatz der intelligenten Drohnen in Kombination mit unseren bestehenden Technologien eröffnet eine neue Dimension in der Intralogistik. Das vollautomatische Lager ist damit keine Vision mehr, sondern höchsteffiziente Realität", kommentierte Adrian Siegler, Geschäftsführer der Grenzebach Automation GmbH.

Nach Schätzungen von Experten lassen sich mit dem kombinierten Einsatz von FTS und Drohnen die Packzeiten im Lager um bis zu 80 Prozent gegenüber herkömmlicher Kommissionierung reduzieren. Für eilige Direktzustellungen haben die Planer kleine Öffnungen in der Hallendecke konzipiert, durch die die Drohnen direkt vom Regal aus losfliegen können. Benötigen die Lagerbienen für ihre Expressaufträge Waren, die gerade im Regal unterwegs sind, können sie sie mit speziellen Greifern „on the flight" aus den rollenden Regalen entnehmen.

Uwe Schumacher betont die Übereinstimmung des Projekts mit der neuen Marketing-Strategie am Niedersachsenpark: „Wir wollen ein Umschlagstandort für drohnengesteuerten Warenverkehr sein und der Industrie, den Logistikdienstleistern und dem Handel als Partner mit individuellen und umfassenden Logistiklösungen dienen. Die neue Drohnenlogistik ist dafür ein starkes Signal." Das Land Niedersachsen will die Anlage mit rund 10 Millionen Euro fördern. Als Mieter ist unter anderem ein großes Versandhandelsunternehmen im Gespräch. Der Versandhändler will von der neuen Anlage im Niedersachsenpark aus seine Waren in Europa verteilen, so ist aus gut informierten Kreisen zu hören.

Kuno Neumeier, Geschäftsführer beim Logistikimmobilienberater Logivest, glaubt, dass diese neue Generation von Logistikimmobilien sich durchsetzen wird: „Der Bienenstock ist das Modell aus der Natur, das überall dort, wo kleinteilige Lagerung und Kommissionierung gefragt ist, die optimale Effizienz und Qualität ermöglicht. Die Anlage am Niedersachsenpark wird beweisen, dass wir dank der modernsten Technologien und der intelligenten Bauweise heute in der Lage sind, dieses Potenzial aus der Natur auf die Bedürfnisse der Industrie und Logistik zu übertragen."

Gateway rechnet mit einem Baubeginn noch in diesem Jahr.

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